Der Weg zu einem gesunden Fohlen

– und was zu tun ist, wenn nicht alles nach Plan läuft

Die Geburt eines Fohlens ist immer wieder ein aufregendes Ereignis. Die Mehrheit der Fohlen kommt im April zur Welt. In den meisten Fällen verläuft eine Fohlengeburt ohne Komplikationen. Wir haben für Sie zusammengefasst, was vor, während und nach der Geburt eines Pferdes zu beachten ist und wie Sie sich verhalten sollten, wenn es mal nicht nach Plan läuft.

Geburtsvorbereitung bei Fohlen

Ein sorgfältiger Prozess der Fürsorge und Planung

Die Tragezeit der Stute beträgt 336 Tage, der Geburtstermin wird in der Regel 11 Monate nach der letzten Besamung berechnet. Das tatsächliche Abfohldatum kann jedoch +- 14 Tage (auch 320–360 Tage) abweichen. Bis zu vier Wochen vor dem errechneten Termin kann noch ein lebensfähiges Fohlen geboren werden. Eine Umstallung der Stute vor der Geburt sollte wegen der Antikörperbildung im Kolostrum vermieden werden oder bis spätestens vier Wochen vor dem Geburtstermin erfolgen. Im letzten Drittel der Trächtigkeit muss die Stute zusätzlich zum normalen Raufutter mit einem Ergänzungsfuttermittel für Zuchtstuten versorgt werden. Die Hufeisen der Mutterstute können ein Verletzungsrisiko für das Fohlen darstellen und sollten daher vor der Geburt abgenommen werden.

Eine ausreichende Immunisierung gegen Tetanus und Herpes (EHV-1 und -4) ist insbesondere für tragende Stuten von großer Bedeutung, da eine Herpesinfektion während der Trächtigkeit zu Aborten und lebensschwachen Fohlen führen kann. Es ist darauf zu achten, dass eine belastbare Immunität gegen Herpes nur dann gegeben ist, wenn der gesamte Pferdebestand ausreichend geimpft ist.

Die ersten Anzeichen, dass die Stute kurz vor der Geburt steht, lassen sich daran erkennen, dass sich die Stute aufeutert und sich der Bauch der Stute von tonnenförmig zu birnenförmig verändert. Wenige Tage vor der Geburt verlängert sich die Scham und wirkt zunehmend geschwollen, an den Zitzen bilden sich die sogenannten Harztropfen, die als erste zähe Tropfen des Milchsekrets erkennbar sind. Ab diesem Zeitpunkt ist eine regelmäßige Überwachung der Stute vor allem nachts wichtig, wofür verschiedene Geburtsmeldesysteme sowie Videoüberwachung zur Verfügung stehen.

Beginnt die Milch bereits vor der Geburt zu fließen, sollte nach dem ersten Lebenstag eine Antikörperbestimmung im Blut des Fohlens durchgeführt werden, da die Gefahr besteht, dass das Fohlen nicht ausreichend geschützt ist. Läuft die Milch schon lange vor dem errechneten Termin, sollte ein Tierarzt die Stute untersuchen, um eventuelle Erkrankungen der Plazenta frühzeitig erkennen zu können.

Geburt bei Fohlen

Die 3 Phasen

Eröffnungsphase

Die Eröffnungsphase ist durch die passive Öffnung des Muttermundes und den Beginn der Wehentätigkeit gekennzeichnet.

Austreibungsphase

Fohlen in Vorderendlage

Mit dem Platzen der Fruchtblase beginnt die Austreibungsphase, in der das Fohlen in der Regel innerhalb von 5–10 Minuten zur Welt kommt. Spätestens 20 Minuten nach dem Fruchtblasensprung sollten jedoch mindestens zwei Vorderbeine im Geburtskanal erkennbar sein. Für diese Austreibungsphase legen sich die meisten Stuten ab. Die physiologische Lage des Fohlens ist die Vorderendlage in oberer Stellung, das bedeutet, dass das Fohlen mit beiden Vorderbeinen zuerst sowie mit dem Kopf oben aufliegend herauskommt. Bei anderen Positionen oder Haltungen muss ein Tierarzt hinzugezogen werden. Auch bei einer physiologischen Geburt sollte darauf geachtet werden, dass die Fruchthüllen reißen und das Fohlen möglichst schnell atmen kann. Geschieht dies nicht von selbst, muss der Vorgang händisch erfolgen.

Nachgeburtsphase

Vollständige Nachgeburt

An die Austreibungsphase schließt sich die Nachgeburtsphase an, die durch Nachwehen gekennzeichnet ist. Die einsetzenden Nachwehen führen zur Ablösung der Plazenta, die normalerweise innerhalb der ersten zwei Stunden nach der Geburt vollständig abgeht. Im besten Fall nimmt man sie mit Handschuhen oder einer Schaufel aus der Box und überprüft sie anschließend auf Vollständigkeit bzw. lässt sie durch einen Tierarzt kontrollieren.

Ist die Plazenta nach zwei bis vier Stunden nicht oder nur teilweise abgegangen, muss schnellstmöglich ein Tierarzt hinzugezogen werden, da es sich dann um eine Nachgeburtsverhaltung handelt, die für das Pferd lebensbedrohlich sein kann.

Komplikationen bei der Geburt eines Fohlens

Diese können auftreten

Frühzeitig abgelöste Plazenta – „Redbag“

Weitere Komplikationen bei der Geburt der Stute können Lage-, Stellungs- oder Haltungsanomalien sein, die meist zu einer Schwergeburt führen. Ist kein Kopf zu sehen oder falsche Teile der Gliedmaßen sowie weit aus der Scham hängende Eihäute, können dies ebenfalls Anzeichen für eine unphysiologische Stellung und somit für eine drohende Schwergeburt sein. Bei derartigen Symptomen sollte sofort ein Tierarzt konsultiert werden.

Kommt es zu einer deutlich verfrühten Geburt, sollte ebenfalls ein Tierarzt hinzugezogen werden, da Fohlen, die die letzte Reifungsphase (die letzten 4 Wochen der Trächtigkeit) nicht vollenden, dysmatur oder prämatur sein können und somit erbliche Schwierigkeiten in den ersten Lebenstagen aufweisen.

Eine weitere bekannte Geburtskomplikation ist der sogenannte „Redbag“. Dabei handelt es sich um eine vorzeitige Ablösung der Plazenta, die zu einer Unterversorgung des Fohlens und damit zu einem akuten Notfall führt. Einen Redbag erkennt man daran, dass in der Regel keine Fruchtblase sichtbar ist, sondern ein rötlicher, derber „Ballon“. In diesem Fall muss dieser so schnell wie möglich geöffnet und das Fohlen mithilfe des Besitzers oder Tierarztes auf die Welt geholt werden, um Folgeschäden durch Unterversorgung und Sauerstoffmangel zu vermeiden.

Nachsorge

Die Betreuung des Fohlens nach der Geburt

Das sollten Sie über die Nachsorge bei Fohlen wissen:

  • Nach einer physiologischen Geburt begibt sich das Fohlen normalerweise sofort in Brustbauchlage.
  • Die Nase des Fohlens sollte einmal mit den Fingern ausgestrichen werden, um überschüssiges Fruchtwasser aus den Nüstern zu entfernen.
  • Im Idealfall bleibt das Fohlen möglichst lange angenabelt. Die Nabelschnur sollte nur in Ausnahmefällen von Hand gelöst werden. Normalerweise reißt sie an der Sollbruchstelle von selbst, sobald die Stute oder das Fohlen aufsteht. In der Regel reißt die Nabelschnur ca. 2 bis 3 Fingerbreit unterhalb des Fohlenbauches, der nun freiliegende Nabelstumpf sollte bestenfalls mit einer desinfizierenden Lösung getränkt werden – eine verdünnte Chlorhexidinlösung ist hier zu empfehlen. Dies kann in den ersten Lebenstagen bis zu dreimal täglich wiederholt werden, um Infektionen des Nabels vorzubeugen.
  • Dem Fohlen sollte unmittelbar nach der Geburt rektal ein Klistier verabreicht werden, um ein Mekoniumverhalten zu vermeiden.
Der erste „Stehversuch“

Spätestens nach zwei Stunden sollte das Fohlen erste Stehversuche zeigen und das Euter suchen. Zu diesem Zeitpunkt sollte das Fohlen auch schon mit der Kolostrumaufnahme beginnen, um eine ausreichende Antikörperversorgung zu garantieren. Diese ist essenziell, um Infektionen in den ersten Lebenswochen vorzubeugen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass das Fohlen weiterhin regelmäßig ein- bis zweimal pro Stunde Milch aufnimmt, um eine ausreichende Energieversorgung zu gewährleisten. Dabei ist eine Milchaufnahme von ca. 100 ml pro Mahlzeit für das Fohlen physiologisch.

Da sich die Darmbarriere nach 24 Stunden schließt und damit auch die enterale Antikörperaufnahme aus dem Kolostrum endet, sollte das Fohlen in den ersten Stunden möglichst viel trinken. Findet das Fohlen das Euter nicht selbstständig, muss es bei der Suche unterstützt werden oder es wird einmalig Kolostrum (max. 200 ml) aus der Flasche gegeben bzw. eine Schale angeboten. Wichtig ist, dass das Fohlen von Anfang an einen Saugreflex hat und selbstständig aus der Flasche trinkt. Nach 12 bis 24 Stunden muss eine Neugeborenenuntersuchung durch den Tierarzt erfolgen, die eine allgemeine klinische Untersuchung sowie eine Antikörperbestimmung (IgG) im Blut umfasst. Der Tierarzt kontrolliert auch den allgemeinen Gesundheitszustand der Mutterstute.


Die Experten und Expertinnen des Zentrums für Pferdemedizin Königslutter stehen Ihnen auf der spannenden Reise rund um das Fohlen gern mit Rat und Tat zur Seite!

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